Ich habe mir in den letzten Wochen in vielen Situationen immer wieder Gedanken über das aktuelle Regelwerk im Fußball gemacht. Ich bin dabei zu der Überzeugung gekommen, dass es mit einer paar Änderungen hier und da nicht getan ist. Es braucht eine regelgerechte Revolution. Im Folgenden erläutere ich die Punkte.
- Nettospielzeit
Ich würde auf 2*30 Minuten gehen. Damit würden die Spiele in der Regel ungefähr so lange dauern wie jetzt. Manche Spiele würden natürlich schneller gehen, andere deutlich länger. Aber im Schnitt sollte man bei einer Spieldauer im Bereich der jetzigen bleiben.
Die Vorteile liegen klar auf der Hand. Zeitspiel würde nicht mehr belohnt werden. Wenn sich ein Spieler nach einem Allerweltsfoul ewig auf dem Boden wälzt, hat er keinen Vorteil mehr, nur noch Risiko.
Niemand könnte mehr darüber diskutieren, ob jetzt 4 oder 6 Minuten die richtige Nachspielzeit wäre. Es gäbe keine mehr.
Der Versuch, dem eigenen Team beispielsweise durch das erwähnte Herumwälzen eine Ruhepause zu verschaffen, könnte weiterhin als „Delay of game“ mit gelb oder gelb/rot bestraft werden.
- Handspiel
Die Handspielregel sorgt weiterhin für viel Ärger. Es ist zwar relativ sauber definiert, wann etwas ein strafbares Handspiel sein soll und wann nicht. Aber die Grauzonen sind trotzdem massiv. Und dabei gibt es oft die unterschiedlichsten Entscheidungen, die kaum nachvollziehbar sind.
Daher würde ich hier eine komplette Änderung vornehmen. Jede Berührung (Torwart im 16er natürlich ausgenommen) wäre ein Handspiel. Es gibt nur 2 Ausnahmen. Das eine ist Schutzhand im Gesicht (nicht für die Genitalien, dafür gibt es ein Suspensorium) und das zweite ist die sog. Stützhand.
Die vorgesehene Strafe ist dann natürlich kein direkter Freistoß bzw. Elfmeter, sondern ein indirekter. Nur bei der Torverhinderung würde es noch Elfmeter geben. Hier müsste man auf KI-Unterstützung zurückgreifen, um die wahrscheinlichste Flugbahn zu extrapolieren.
- VAR
Ich halte es einfach nicht für machbar, die Eingriffsregeln so zu definieren, dass sie objektiv einigermaßen nachvollziehbar sind. Daher würde ich eine komplette Veränderung vorschlagen.
a) Der VAR bleibt automatisch dafür zuständig, ob ein Abseits vorliegt, ob eine Aktion im oder außerhalb des 16ers stattfand und ob ein Ball im Aus war.
b) Jeder Trainer hat pro Spiel eine Anzahl x an Challenges (mein Vorschlag wäre 3). Ein Trainer kann alles challengen, vom Einwurf an der Mittelinie in der zweiten Sekunde des Spiels bis zum Handelfmeter in der letzten Sekunde der Spielzeit.
Der VAR wirkt hier nicht als Berater der Feldschiedsrichters, sondern als Einspruchsinstanz. Der Feldschiedsrichter hat die Entscheidung des VAR umzusetzen, die regelkonforme Implementierung der Entscheidung zu überwachen.
c) Es gibt 3 Arten von Entscheidungen
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Der VAR bestätigt die Entscheidung des Schiedsrichters => Trainer verliert ein Recht für eine Challenge. Zudem muss die Mannschaft das Trainers für fünf Minuten in Unterzahl spielen. Der Spieler, der auf die Strafbank muss, muss vor Beginn der Überprüfung benannt werden.
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Der VAR ändert die Entscheidung des Schiedsrichters. Der Trainer behält sein Recht auf die Challenge. Es geht mit der Umsetzung der Entscheidung des VAR weiter.
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Die Bilder geben keine klare Entscheidung her. Der Trainer verliert dann zwar ein Recht auf eine Challenge, aber es muss kein Spieler auf die Strafbank. Die Entscheidung des Feldschiedsrichters bleibt bestehen.
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Taktische Fouls
Da mit dem VAR eh schon die Zeitstrafe eingeführt wird, kann man sie in anderen Bereichen ebenfalls nutzen. Taktische Fouls werden immer mit 5 Minuten Zeitstrafe bestraft. Es ist grundsätzlich davon auszugehen, dass ein Foul im ersten Zweikampf nach einem Ballverlust, der direkt einen Gegenangriff (Konter) einleitet, ein taktisches Foul ist. Nur wenn es klare Gründe gegen diese Annahme gibt, kann auf die Zeitstrafe verzichtet werden.
- Kick Inn anstatt Einwurf
Viele Einwürfe werden falsch ausgeführt, kaum ein Schiedsrichter pfeift das heute allerdings. Wenn es doch mal gepfiffen wird, wirkt es wie Willkür. Der Kick Inn macht hier Interpretationen, Regeldeutungen unnötig.
- Professionalisierung und Regel-Konsequenz
Die aktuelle Praxis, dass Schiedsrichter Regeln je nach „Fingerspitzengefühl“ oder Spielsituation unterschiedlich auslegen oder – wie beim „Kids-Mistake“ im Champions-League-Viertelfinale vor 2 Jahren bei Arsenal-Bayern oder dieses Jahr bei Barca gegen Atletico – sogar bewusst ignorieren, muss beendet werden.
a) Abschaffung des Ermessensspielraums: Schiedsrichter werden darauf verpflichtet, jeden Regelverstoß zwingend zu pfeifen, unabhängig von der Spielminute oder der „Bedeutung“ der Situation.
b) Zentrale Schiedsrichter-Behörde:
Einführung einer unabhängigen, professionellen Instanz, die Fehlleistungen (bewusste Missachtung des Regelwerks) sanktioniert, ähnlich wie bei beruflichen Fehltritten in der freien Wirtschaft.
c) Transparenzpflicht:
Nach dem Spiel müssen Schiedsrichter strittige Szenen öffentlich erklären; bei einer bewussten Nicht-Anwendung einer Regel (wie der Handspiel-Regel beim Abstoß) erfolgt eine sofortige Sperre für den Schiedsrichter.
d) KI-gestützte Fehlerprotokolle: Jede Entscheidung wird automatisiert mit dem Regelwerk abgeglichen, um eine objektive Bewertung der Schiedsrichterleistung über die gesamte Saison hinweg zu ermöglichen.
So das wären erst einmal meine Punkte. Kann man gerne diskutieren. Ihr dürft auch über mich herfallen ![]()