Vor dem Relaunch dieser Seite hatte ich dieses Thema angeschnitten, jetzt eröffne ich auch hier dieses Thema:
Habt Ihr auch den Eindruck, dass der Begriff “Erfolgsfan” zu sehr inflationär verwendet wird, also die Definition dieses Begriffes verwässert wird? Ich habe ja ein bisschen den Eindruck, dass man schon, wenn man Missstände im Verein anspricht, dass man dann als ein sogenannter Erfolgsfan abgestempelt wird, so nach dem Motto “Dann geh doch zu den Bayern”.
Und ab wann ist man denn eigentlich ein Erfolgsfan?
Es ist bei mir schon manchmal schon vorgekommen, dass andere HSV-Fans mir an den Kopf warfen, dass ich doch zu den Bayern gehen solle oder ähnliches, wenn ich Erfolg haben will und dabei ich manches ansprach, was man ansprechen sollte. Beispielsweise vor über einem Jahr, als St. Pauli aufstieg und wir nicht und dass die zweite Liga schöngeredet wurde. Oder dieses Jahr im April, bevor wir den Aufstieg eingetütet hatten, als wir gegen den KSC 1:2 verloren hatten und ich das Gefühl hatte, dass wir es vergeigen würden. Ein HSV-Kollege kritisierte mich für meine Kritik am HSV und hatte mir durch die Blume vorgeworfen, ein Erfolgsfan zu sein (also ohne jetzt explizit das Wort zu nennen). Nun ja: Einige Zeit später haben wir ja bekanntlich dann doch den langersehnten Bundesligaaufstieg eingetütet. Aber das ist ein anderes Thema.
Ich finde ja durchaus, dass man kein Erfolgsfan ist, wenn man Missstände anspricht. Man muss, als Fan, manchmal Klartext reden.
Für mich ist ein Erfolgsfan, wenn man einen Verein sich wegen des Erfolges aussucht (was zunächst ja auch nicht verwerflich ist), dann aber den Verein, wenn die erfolgreiche Zeit vorbei ist, im Stich lässt.
In meinen Augen geht das „Erfolgsfan-Thema“ dann los, wenn Dauerkarten bei keinem folgendem Meisterschaftsgewinn abgegeben werden. Stadionbesuche abhängig von Siegen gemacht werden, etc.
Seine Mannschaft als Fan zu kritisieren, ist sogar notwendig, aber hat mit Erfolgsfan überhaupt nichts zu tun.
Seine Mannschaft als Fan zu kritisieren, ist sogar notwendig, aber hat mit Erfolgsfan überhaupt nichts zu tun.
Ist ja ziemlich häufig der Fall, dass es dann heißt “Dann geh doch zu den Bayern”. Wieso? Man muss doch kein Fan der Bazis sein, um sich in Erfolg zu suhlen.
Es gibt immer wieder Situationen, wo man gerade als großer Fan einfach seinen Frust mal raus lassen muss…den Aussage „dann geh doch zu den Bayern“ passt dann einfach nicht so, einfach nicht ärgern lassen
Es gibt immer wieder Situationen, wo man gerade als großer Fan einfach seinen Frust mal raus lassen muss…den Vergleich „dann geh doch zu den Bayern“ passt dann einfach nicht so, einfach nicht ärgern lassen
Also aktuell ist mir das jetzt nicht passiert. So ist es nicht. Aber ich habe es hin und wieder mal erlebt. Nicht nur bei mir.
Ich habe schon ein Problem mit dem Begriff Fan. Das ist zum Beispiel ein 14-jähriges Mädel, welches Tag und Nacht die Musik eines Sängers oder einer Band anhört, weil der Sänger genau das ausdrückt, was sie fühlt, oder ihn einfach unfassbar „süss“ findet, oder sie halt einfach die Musik tatsächlich unglaublich gut findet.
Wenn mich also analog die Spielweise „meines Vereins“ auch genauso begeistert, dann würde ich mich als „Fan“ dieses Vereins bezeichnen. Da das aber auch oft nicht der Fall ist, möchte ich das nicht tun. Ich bin viel mehr Fussballfan, also Fan des Spiels.
Meinen Verein habe ich mir irgendwann mal definiert als den Club, den ich unterstütze, der „zu mir gehört“, der irgendwie „meine Familie“ ist.
Aber zurück zum Begriff Erfolgsfan. Nach meiner Definition ist das doppelt gemoppelt, da eine Mannschaft, die so toll spielt, dass man „Fan“ wird, doch sicher auch einen gewissen Erfolg damit hat. Und wenn die Mannschaft dann später wieder schlechter spielt, lasst der Erfolg sicher auch nach, und die „Fans“ werden wieder weniger. Zurück bleiben die „Familienmitglieder“.
In den 90ern haben wir uns in einer größeren Gruppe einmal in der Woche zum Freizeitkick getroffen.
Da war einer dabei, dessen Auto war Grün Weiß. Sitzbezüge, Schal auf der Hutablage, Minitrikot an den hinteren Fenstern. Er war Werder Bremen Fan.
Als die Erfolge ausblieben, war sein Auto eines Tages Schwarz Gelb. Wieder die komplette Ausstattung. Jetzt war er Borussia Dortmund Fan.
Und das ist genau dass, was ich unter Erfolgsfan verstehen würde.
PS: ich hoffe, ich habe jetzt die Zeiten nicht durcheinander gebracht und es war umgekehrt.
Es gibt doch auch genug Erfolge ohne Titel.
Für so manchen kleinen Verein ist es schon ein Erfolg in der zweiten oder dritten Liga zu spielen. Und auch da sind dann viele „Fans“ da, die vorher nicht da waren und die auch wieder weg sind, wenn der Klub wieder absteigt.
Nö, wobei die Quote recht hoch sein dürfte. Bayern ist ein großes Bundesland mit wenigen Bundesligaklubs. Wenn man keinen um die Ecke hat, dann nimmt man sich wohl eher den erfolgreichen.
Das würde sich vermutlich relativieren, wenn sich das mal drehen würde. Das allerdings werden wir wohl kaum erfahren…
Gibt oder gab ja sogar einen BVB-Fanclub in München und ein paar BVB-Fans kenne ich aus der Region bzw aus der weiteren Region durchaus. Keine Massen oder so aber es gibt sie
Es sind aber auch nicht „wenige“.
Auch hier gibt es die, die „nicht mit dem Mainstream“ mitlaufen wollen. Da wird schon in schöner Regelmässigkeit auf den BVB verwiesen, wenn man nach dem unterstütztem Klub fragt. Ist auch über lange Zeit der Klub gewesen, der den Bayern mal eine Meisterschaft abgenommen hat, oder dem man das zutraut.
Der Test geht aber relativ einfach. Wenn man einen „Bayern-Erfolgsfan“ nach Spielern der Bayern fragt, dann kommt da derzeit auch noch gern ein Müller oder Coman, und wenn man so einen BVB-Fan fragt, dann ist da bei so einigen spätestens nach 2 Spielern schluß.