Segelsport

Am Sonntag, 10.08.2025, ist in Kiel das Ocean-Race-Europe gestartet. Sieben IMOCA-Yachten durchfuhren die Startlinie, doch nur 5 konnten weitersegeln. Was war passiert? Nach ca. 2 Minuten kollidierten die Teams HOLCIM mit Skipperin Rosalin Kuiper und die Allagrande-Mapei-Racing mit Skipper Ambrogio Beccaria so folgendschwer, dass sie in Kiel bleiben mussten und nun untersuchen, ob sie die Boote für das nächste Etappe ab Portsmouth wieder hinkriegen. Beide Teams haben einen offiziellen Protest gegen das jeweils andere Team an die Rennleitung gemeldet. Daher wird der Vorgang noch von einer Jury untersucht und gewertet werden.

Die 1. Runde geht von Kiel nach Portsmouth, wo die Flotte am 14.08.2025 erwartet wird. Weiter geht es dann am 17.08.2025 in Richtung Cartagena/Spanien, mit einem Fly-By in Matosinhos/Porto in Portugal, wo die ETA der 23.08. ist. Am 26.8. geht es dann weiter nach Nizza mit ETA 29.8. Von dort startet die Flotte am 31.8. weiter nach Genua und von da zum Ziel nach Boka Bay in Montenegro.

Boris Herrmann ist auch wieder dabei mit seinem Team Malizia.

Der aktuelle Stand der Regatta:

Die erste Etappe von Kiel nach Portsmouth ist beendet. Boris Hermann und seine Crew der Malizia Seaexplorer wurden Zweite, nachdem sie zu über 90 % des Rennens auf Platz 3, rund 12-20 Seemeilen (sm) hinter der Paprec-Arkea lagen. Doch dann kam die Dover-Passage, und dort haben Boris und sein Team ein riskantes taktisches Meisterstück geliefert. Sie verließen die Hauptroute im Kanal von Dover in der Kanal-Mitte und segelten weiter westlich an der Küste entlang. Hier entkamen sie der starken Gegen-Strömung, welche die Boote auf der anderen Route einbremste. Eine riskante Wette, weil in der Küstennähe zwar deutlich geringe Strömung herrschte, aber möglicherweise schwächerer Wind.

Aber die Wette ging auf. Die Malizia holte Meile um Meile auf, und bei Sonnenuntergang war der Rückstand nur noch 1/2 Meile. Die Malizia setzte den Spinnaker und machte über 8 Knoten, die Paprec-Arkea auf ihrem Kurs nur knapp 2, eingebremst von der starken Gegenströmung.

Hier der Stand nach der 1. Etappe. Dazu ein Hinweis: Zusätzlich zu den Punkten für die Platzierung kommen noch Punkte für das Durchfahren von sogenannten virtuellen Score-Lines, wo es 2 Punkte für das 1. und 1 Punkte für das 2. Boot gibt. Daher hat die Biotherm 9 Punkte und Paprec-Arkea auch 6 Punkte (1 Score-Punkt).

Heute gegen 17:00 Uhr startet die 2. Etappe des Ocean-Race Europe. Vorher möchte ich mal einige Crews vorstellen. Die bestehen nämlich immer aus 4 Seglern an Bord, davon mindestens 1 Frau, und zusätzlich eine oder einen On-Bord-Reporter. Insgesamt also 5 Leute. Die Teams sind aber größer, weil es erlaubt ist, die Zusammensetzung für jede Etappe aus dem Team zu ändern. Boris Hermann z.B. wird diese zweite Etappe nicht mitsegeln. Die Crew wird aus Will Harris als Skipper, Cole Brauer, Francesca Clapcich und Louis Berrehar bestehen mit Flore Hartout als Reporter.

Francesca Clapcich hat die Malizia gekauft und wird sie nach der Regatta übernehmen.

Die beiden Teams, die HOLCIM-PRB und Allagrande-Mapei-Racing, die zwei Minuten nach dem Start der 1. Etappa zusammengestoßen sind, konnten ihre Boote wieder reparieren, sind (mit Motor) durch den Nord-Ostsee-Kanal gefahren und nach Portsmouth geschippert. Sie sind wieder startbereit. Skipperin ist Rosalin Kuiper, die diese Funktion zum ersten Mal auf diesem Niveau innehat. Im Ocean-Race around the 2022-2023 wurde sie im Team Malizia 3. Mit in diesem Team war auch Nicolas Lunven.

Vorstellen möchte ich auch das Biotherm-Team, das die 1. Etappe gewonnen hat und von vornherein zu den Favoriten des Rennens gehört. Hier sind einige der Weltelite des Segelsports an Bord mit Paul Meilhat (Skipper), Sam Goodchild, Benjamin Ferré, Amelie Grassi und Jack Bouttell.

Noch sind alle dicht beieinander und passieren gerade die Bretagne. Es ging gestern bei sehr schwachem Wind nur mit Cafe-Segel-Geschwindigkeiten voran mit 2-4 Knoten. Einige versuchten einen etwas östlicheren Kurs, andere blieben näher an der idealen Kurslinie. Am Ende haben sie sich wieder alle getroffen. Aber sie werden kräftigeren und vor allem raumen Wind bekommen, der sie deutlich schneller machen wird. Hier das aktuelle Bild:

Die Flotte hat sich in gerade Linie weiter nach Süden vorgearbeitet bei zunächst auffrischendem Wind, der Spitzengeschwindigkeiten der IMOCA-Yachten von bis zu 27 Knoten erlaubte. Jetzt, wo sie sich Kap Finistere, dem Ende der Welt, nähern, herrscht nur noch ein schwacher Wind von rund 7 Knoten, der die Yachten auf rund 10 Knoten eingebremst hat. 5 Crews konnten sich leicht absetzen, wobei diese 5 ziemlich dicht beeinander liegen. Die Malizia ist aktuell auf Platz 1, aber das bedeutet noch überhaupt nichts. Der Abstand zu den zwei Nachzüglern ist aber schon etwas größer, zwischen 24 bis 31 nm.

Das Nahziel aller ist, die virtuelle Score-Line bei Matosinhos/Porto als erste zu durchfahren, weil es dafür 2 Punkte und für den 2. noch 1 Punkt gibt. Die zählen für das Ranking zusätzlich.

Hier das aktuelle Bild:

Nun, ich konnte ein paar Tage nicht über die Regatta berichten. Das hole ich jetzt, wo die 2. Etappe - bis auf einen Nachzügler - beendet ist, nach. Die Malizia, bei der Umfahrung des Kap Finisterre noch knapp in Führung, verlor dann durch einen kleinen Fehler auf dem Schwachwindkurs nach Süden an Fahrt, fiel auf Platz 4 zurück mit rund 5 sm Rückstand auf die beiden führenden Yachten, Biotherm und Holcim, und befand sich im Match-Race mit Paprek Arkea auf 3 und BE Water Positive auf 5. Nach dem Kurswechsel nach Südwest in Richtung virtuellem Wendepunkt bei stärkerem nordwestlichen Winden den Speed der Führenden und auch nicht den von Paprek-Arkea mitzugehen, warum auch immer.

Das Zwischenziel Matosinhos/Porto erreichte sie auf Platz 4, ergatterte dafür 4 Punkte. Es gab einen Stop-Over (Fly-By) von 3 Stunden Aufenthalt, dann fuhren die Boote in der Reihenfolge des Einlaufs mit dem gemessenen Zeitabstand wieder los.

Aber seltsamerweise hatte die Malizia nach dem Re-Start einen Abstand von rund 43 nm, während er beim Einlauf in Matosinhos nur rund 22 nm betrug. Keine Ahnung, wieso.

Diesen Abstand hat die Malizia dann bis zum Etappenziel zwar zwischenzeitlich verkürzen können, nachdem die Meerenge von Gibralter passiert und man sich durch die dann folgende großflächige Flaute an der Küste entlang zum Ziel hangelte. Dabei wurde sie noch von der Allagrande Mapei überholt und um ca. 14 nm auf Platz 5 verwiesen.

Hier das Scoreboard nach der 2. Etappe:

Ich bin in den letzten zwei Wochen nicht dazu gekommen, dass Geschehen auf dem Ocean-Race Europe zu kommentieren. Inzwischen ist es zuende gegangen. Daher hier das Score-Board, dem Endstand: