Der CDU-Gesundheitspolitiker Streeck hat eine Debatte über die Vergabe teurer Arzneien an Hochbetagte angestoßen - und ist dafür kritisiert worden. Nun äußerte er sich erneut: Lebensverlängerung sei nicht immer das höchste Ziel.
Es geht wohl u.a. auch um Platin-Hüftgelenke für 90+ jährige.
Habe als Patient selbst erlebt, wie einem 96 Jahre alten , privat zusatzversicherten Bettnachbarn eine Knie-OP im wahrsten Sinne des Wortes aufgezwängt wurde.
Die moralische Seite der Diskussion ist sehr einfach: Man muss alles tun, jedem Menschen unabhängig von Geschlecht, Alter, Hautfarbe etc. die beste Gesundheitsversorgung zukommen zu lassen.
Hmm, naja, solange er das Glück hatte deutscher Staatsbürger zu werden. Warum sollten wir uns auch um „andere“ kümmern…
Dies ist schon mal ein erster Hinweis, dass es doch nicht ganz so weit her ist mit unserer Moral, wenn die Kosten unbezahlbar wären.
Doch vermutlich wird das auch innerhalb unseres Sozialsystems früher oder später passieren. Ich hoffe natürlich „später“, vielleicht sogar so spät, dass ich es nicht mehr erlebe.
Und obwohl ich diese Chance hätte, „davonzukommen“ und das Problem (wie so viele andere) einfach den „Jungen“ zu überlassen, würde ich zumindest versuchen das Problem heute schon anzugehen. Streeks Ideen kann man zumindest diskutieren, man muss ja nicht sofort mit fliegenden Fahnen dahinterstehen. Es ist sicher unbequem, über sowas zu reden.
Oftmals liegen solche Entscheidungen ja nicht bei den alten Menschen selbst, sondern eher an den Familien oder Bekannten die solche Entscheidungen treffen. Daher wäre da die Frage wie viel ich z.B. meiner Oma oder meinem Opa noch zumuten will. Der der einen Oma die letztes Jahr gestorben ist wäre es besser gewesen das Sie in Ruhe eingeschlafen wäre, so wurde Sie dich noch gefunden und wurde daraufhin nicht mehr glücklich.
Aus der Zeit im FSJ habe ich noch einen Fall in Erinnerung bei dem eine bettlägerige Frau zwei neue Hüften bekommen hat, dabei ist Sue nach der zweiten OP verstorben da Sie auf Grund ihrer Religion keine Blutkonserven bekommen durfte. Da hätte man sich die OP plus das drumherum auch sparen können.
Daher sollte aus meiner Sicht niemanden Hilfe verwehrt werden, allerdings sollte man sich überlegen wie weit Medis oder Eingriffe noch Sinn ergeben.
Meine Mutter ist 2021 mit 84 gestorben, mit 83 sagte man ihr das Nieren und Leber durch die jahrelange Einnahme hochdosierter Schmerzmedikamente irreparabel geschädigt sind. Die Anschlussfrage war ob sie denn ihre künstlichen Hüftgelenke nochmal austauschen möchte, weil die nach 25 Jahren ausgelutscht waren. Sie hat dann lachend abgelehnt.
Das waren jetzt einige Beispiele, wo ältere Menschen von sich aus „so vernünftig“ waren, dass sie überzogene Medizinische Kosten ablehnten. Das wäre natürlich der Idealfall.
Meine Mutter hat früh genug eine Patientenverfügung ausgefüllt und durfte dann mit 89 sterben, obwohl noch lebenserhaltende Massnahmen möglich waren. Davor hat sie aber auch lange, lange Jahre sehr teure Herz und Lungenmedikamente bekommen, ohne die sie wohl mindestens 10 bis 15 Jahre früher gestorben wäre.
Das Thema kann wirklich sehr differenziert angegangen werden. Ist man selbst bzw die Angehörigen betroffen fällt die Bewertung oftmals völlig konträr zu externen Situationen aus.
Da meine Frau und ich uns früh für klare Verhältnisse in Form von Patientenverfügungen entschieden haben, können wir die Thematik etwas entspannter angehen… zumindest bis es „ernst“ wird. Bin mir da nämlich ganz und gar nicht sicher, ob wir gegenseitig die Absprachen einhalten.
Aber immerhin, die Ärzte im Krankenhaus müssen sich dran halten und das alleine war die gar nicht so einfache, individuell zugeschnittene Verfügung schon wert
Ethisch und moralisch sehe ich das wie @cefix - aber ich denke auch daran, dass man Menschen mehr Eigenverantwortung geben kann. Meine Schwiegermutter ist jetzt 89, gleiches Krankheitsbild wie @T.Man’s verstorbene Mutter und auch sie wird eine Dialyse oder weitere OP ablehnen. Ich persönlich kann mir auch vorstellen, Gevatter Tod oder wem auch immer ein Schnippchen zu schlagen und lieber friedlich selbst bestimmt einschlafen (nach entsprechender Medikamenteneinnahme), als auf der Intensivstation künstlich am Leben gehalten zu werden. ist nur derzeit leider in Deutschland nicht möglich. Hypokratischer EID ist für die Ärzteschaft sinnvoll - solange es nicht gegen den Patientenwillen geht.
Wenn eine Gesellschaft sich aber mehrheitlich dafür ausspricht, dass bis zum bittere Ende alles menschenmögliche getan wird um das Leben zu verlängern, dann muss man der Gesellschaft auch reinen Wein einschenken, denn wenn eine Gesellschaft immer älter wird (auch durch medizinischen Fortschritt), dann müssen die Kosten für die Gesundheit inkl. Pflege und die für die Rentenzahlungen im Staatshaushalt zwangsläufig steigen und dann stellt sich natürlich die Frage: Wie finanzieren wir als Gesellschaft das? Dieses Thema allein auf die jungen Menschen abzuwälzen, die dann wie die Arbeitgeber mit steigenden Beiträgen leben müssen kann nicht die einzige Lösung sein. Der Staat muss dann auch zwangsläufig seinen steuerfinanzierten Anteil erhöhen, wenn die Beiträge stabil und das Renten- und Gesundheitsversorgungsniveau stabil bleiben soll. Das aber führt dann zu der Frage: drehen wir lustig nach Bedarf an der Steuerschraube oder schichten wir im Haushalt um und gewissse Dinge kann Staat dann nicht mehr leisten - und welche sind das?
Herr Streeck hat das Rad übrigens nicht neu erfunden, in GB gibt es bestimmte OP ab einem bestimmten Alter auch nicht mehr als Kassenleistung - sehr wohl aber noch für die, die es sich leisten können und selbst bezahlen…