Bevor es dann nachher endlich mit der Postseason losgeht möchte ich mal kurz meinen Senf zu den Season Awards dazu geben:
- MVP: Es ist nicht selten so, dass der beste Spieler des besten Teams der Regular Season diese Trophäe überreicht bekommt und unverdient wäre es keinesfalls im Falle von Shai Gilgeous-Alexander (OKC). Ja, Nikola Jokic legte im Schnitt ein Triple-Double auf (unfassbar eigentlich), Wemby ist der erste Spieler seit Shaq mit mindestens 25 PPG, 10 RPG und 3 BPG, Luka Doncic ist die Scoring-Maschine der Liga (33,5 PPG) und Cade Cunningham führte die Pistons zu einem doch eher unerwarteten #1-Seed im Osten, aber Shai trug die Thunder trotz ihrer Verletzungssorgen (ja, Jalen Williams und auch Isaiah Hartenstein verpassten sehr viel Zeit) zu einer 64-Win-Season, kam dabei auf 31,1 PPG (bei 55,3 FG%), an sein letztes Spiel mit weniger als 20 Punkten kann man sich schon gar nicht mehr erinnern.
- Der Defensive Player of the Year ist für mich eine klare Angelegenheit: Victor Wembanyama (SAS) erholte sich von der Vorsaison (als er mit einem Blutgerinnsel lange zum Zusehen gezwungen wurde) indem er sein Scoring verbesserte (51,2 FG%), die Liga in Sachen Blocks dominierte und der absolute Unterschiedsspieler wurde. Sein härtester Konkurrent um den Award dürfte Chet Holmgren sein, der der Leuchtturm der stärksten Defense der Liga war, aber insgesamt wohl nicht solch einen Impact hatte wie Wemby.
- Wenn ich in den letzten Sommer zurückspule hätte es nur eine Antwort für den Rookie of the Year gegeben, aber diese Saison zeigte etwas anderes - dennoch fällt meine Wahl auf den offensichtlichsten Kandidaten. Cooper Flagg (DAL) ist sofort in der NBA angekommen: Er führte die Mavs bei den Punkten, Rebounds, Assists und Steals an was einem Rookie seit der Season 1984-85 nicht mehr gelang (das war damals ein gewisser Michael Jordan), das Scoring war teils absurd (ein 50 Point-Game, die meisten 40 Point-Games für einen Teenager) und das alles zeigt seine Bandbreite. Es war nicht damit zu rechnen, dass ausgerechnet sein Zimmergenosse aus Zeiten bei Duke ihm Konkurrenz machen würde: Kon Knueppel führte am Ende die NBA bei den getroffenen Dreiern an und hatte einen großen Anteil daran, dass Charlotte das Play-In erreichte. Ebenfalls nicht abfallen sollte VJ Edgcombe: Der Sixers-Guard fügte sich ohne größere Anlaufzeit in das Lineup in Philly ein und darf nun im Gegensatz zu seinen Kollegen direkt in den Playoffs ran.
- Sehr schwer tat ich mich bei der Wahl zum Most Improved Player. Nick Alexander-Walker fiel mir sehr ins Auge indem er seinen Shooting-Output immens steigerte und den Hawks direkt weiterhalf, Neemias Queta kam gefühlt aus dem Nichts und wurde genau zu dem Starting-Center, den die Celtics unbedingt benötigten und dann haben wir noch zwei Spieler, die ihre Leistungssteigerung mit ihren ersten All-Star-Teilnahmen bestätigten: Jalen Duren war ein immens wichtiger Bestandteil der Pistons und war zur Stelle als Cade Cunningham dem Team fehlte, Deni Avdija war der Unterschiedsspieler für die Blazers ohne den man wohl nicht in die Postseason eingezogen wäre. Letzteres würde für mich den minimalen Ausschlag im Vergleich zu Duren ausmachen und dem vielseitigen Deni Avdija (POR) den Zuschlag zukommen zu lassen.
- Beim Sixth Man of the Year ist es denke ich legitim, dass ich trotz Heat-Brille mich hier für Jame Jaquez Jr. (MIA) entscheide. Der Forward war in einer schwierigen Season in Miami die erste Option von der Bank und zahlte es seinem Headcoach Erik Spoelstra mit einem Career-High im Scoring (15,4 PPG) und sichtbaren Auswirkungen für die Offense wieder.
- Beim Coach of the Year gibt’s wieder deutlich mehr Kandidaten: Mark Daigneault als Coach des besten Teams? Mitch Johnson, der die Spurs nach einer verpassten Playoff-Teilnahme im Vorjahr zum zweitbesten Record im Westen führte? Oder natürlich JB Bickerstaff, der mit seinen Pistons als Top-Seed in die Playoffs geht? Ich glaube jede Wahl wäre hier legitim, aber ich würde doch Joe Mazzula (BOS) den Vorzug geben. Keiner wusste vor einem Dreivierteljahr wo die Celtics stehen, denn sie wussten, dass Jayson Tatum lange verletzungsbedingt fehlen würde und tradeten sowohl Kristaps Porzingis als auch Jrue Holiday weg, verloren darüber hinaus auch Al Horford in der Free Agency. Und jetzt? Tatum kehrte in der Schlussphase der Regular Season zurück in ein Team, das am Ende den #2-Seed der Eastern Conference holte und für nicht wenige der Top-Contender für die Teilnahme der NBA Finals ist.
- Beim Clutch Player of the Year ist es der einfache Blick auf die Statistiken um hier eine Wahl zu treffen: Shai Gilgeous-Alexander (OKC) scorte nicht nur die meisten Clutch-Punkte (6,5 im Schnitt) dieser Saison, sondern auch seitdem das Play-by-Play-Tracking vor knapp 30 Jahren eingeführt wurde.
Wir werden in den nächsten Wochen nach und nach erfahren wie das Voting ausgegangen ist (das Play-In zählt nicht mehr dazu).