Danke, @O.Schmid für das tolle Feedback. Der Herbst bietet bei mir den Vorteil, dass ich mir auf Arbeit keine Sorgen um eine Vertretung machen muss (da bei allen der Sommer-Urlaub durch ist) und ist nicht zuletzt auch eine finanzielle Frage (Hurricance + Rainy Season). Dass man Ende September in der Regel die spannende Phase der langen MLB-Season plus die ersten eineinhalb Playoff-Runden, College Football und die NFL mitbekommt ist da ein netter Bonus. 
Apropos spannende Phase der MLB-Season: Uns wurden in einigen Divisions dramatische Entscheidungen geboten und das gleich an mehreren Stellen mit teils sehr überraschenden Ausgängen, gehen wir das aber Division für Division durch:
In der AL East bildete sich in den letzten Tagen ein Zweikampf um den Division-Sieg: Während die Blue Jays zwischenzeitlich sechs von sieben Spielen verloren nutzten die Yankees ihren sehr einfachen Schedule aus und verloren nur eines ihrer letzten zwölf Spiele. Die Entscheidung sollte dann am letzten Spieltag fallen: Die Yankees bezwangen die O’s mit 3:2, die Blue Jays fertigten die Rays mit einem 13:4 ab: Beide Teams standen somit bei 94 Saisonsiegen, Toronto gewann aber mehr direkte Duelle (8-5) und feierte damit den ersten Division-Titel seit zehn Jahren. Dahinter sah es lange so aus als ob die Red Sox aus dem Duell einen Dreikampf machen könnten, mit acht Niederlagen aus 16 Partien machte man aber keinen Boden mehr gut, den Rays verhagelte ein mieser September (6-16 in den letzten 22 Spielen) jegliche Playoff-Ambitionen und den O’s wurde der schlimme Saisonstart (nur 16 Siege aus den ersten 50 Saisonspielen) zum Verhängnis.
Die AL Central bewies uns, dass man in einer Regular Season mit 162 Spielen keinesfalls schon im Juli anfangen sollte ein Team abzuhaken. Die Guardians lieferten eine historische zweite Saisonhälfte ab, aber blicken wir kurz zurück: Anfang Juli wies Cleveland eine negative Bilanz auf und rangierte satte 17,5 Spiele hinter den Tigers. Die Guardians kamen mit viel Schwung gegen schwächere Teams aus dem All-Star-Break, aber die richtige Aufmerksamkeit sollte tatsächlich erst im September erfolgen. Zum einen weil man zwischenzeitlich 15 von 16 Spielen gewann, zum anderen aber weil man die Tigers in fünf von sechs Partien bezwang und Detroit genau den anderen Weg ging. Die Tigers dominierten über weite Strecken die Regular Season in der AL Central, aber die immer näher heranrückenden Guardians schienen ihnen immer mehr Probleme zu bereiten und auch das hatte historische Ausmaße: Es gab seit Einführung der World Series vor 122 Jahren noch kein Team, das einen letzten Monat der Regular Season so schlecht abschloss (7-17) und in die Playoffs einzog. Und so kam es wie es kommen musste: Cleveland überholte in der letzten Woche Detroit, schlug die Rangers am letzten Spieltag mit einem Walk-Off-3R-Homerun von Brayan Rocchio im zehnten Inning mit 9:8 und feierte tatsächlich den Division-Sieg vor Detroit. Dahinter hatten die Royals keine Chance mehr mit Cleveland mitzuhalten, die Twins (70 Siege) und die White Sox (60 Siege) spielten keine Rollen.
Die AL West bescherte uns kein historisches Comeback und auch keine Spannung bis zum letzten Spieltag, aber einen Eintrag in die Geschichtsbücher und eine Überraschung gab es dennoch. Beides betrifft die Mariners: Seattle und Houston lieferten sich über mehrere Monate den Kampf um den ersten Platz, beide Teams fielen mal zurück, aber niemand setzte sich so sehr ab, dass es vorentscheidend aussah. Den Unterschied machte der September aus: Seattle holte zwischenzeitlich 17 Siege aus 18 Partien und besiegelte den Zweikampf natürlich im direkten Duell: Eine Woche vor dem Ende der Regular Season sweepten die Mariners eine 3-Game-Series in Houston durch die die Astros raus waren. Und den Eintrag in die Geschichtsbücher? Den lieferte Cal Raleigh: Nach seiner ersten All-Star-Selection im Sommer gab’s gleichemhere „erste Male“: Er war der erste Catcher, der ein Home Run Derby gewann, brachte die Rekorde für die meisten Homeruns in einer Regular Season sowohl für Catcher als auch Switch-Hitter und ist erst der siebte Spieler der langen MLB-Geschichte, der mindestens 60 Homeruns in einer Regular Season schlug (die anderen sechs waren Barry Bonds, Mark McGwire, Sammy Sosa, Aaron Judge, Roger Maris und Babe Ruth). Dahinter probierten sich die Rangers insbesondere in einer Phase rund zwei bis drei Wochen vor dem Ende aus der ganzen Sache einen Dreikampf zu machen, aber spätestens nach einer acht Spiele andauernden Niederlagenserie waren jegliche Playoff-Hoffnungen verloren. Zu viel verloren haben auch die A’s und die Angels.
Toronto, Cleveland und Seattle erreichten durch ihre Division-Titel sicher die Postseason, nun blieb noch die Frage für die AL Wild Cards übrig: Die Yankees standen sehr schnell als Erster des Rankings fest, dahinter lieferten sich drei Teams einen Kampf bis in die letzte Phase der Regular Season: Die Red Sox nutzten einen starken Endspurt der Saison indem sie erst zwei von drei Spielen in Toronto gewannen und dann auch in der entscheidenden Serie in Detroit zwei von drei Malen die Oberhand behielten. Dass die Tigers am Ende dennoch feiern konnten lag an den Astros, die nach dem erwähnten Sweep durch die Mariners zu oft gegen die weiteren Division-Gegner patzten. Da die Tigers die Season-Series mit 4-2 gewannen hatten sie bei der aufgetretenen Bilanz-Gleichheit die Nase vorn.
Wenn man von einer klar für sich entschiedenen Entscheidung in einer Division sprechen will, dann muss man in diesem Jahr die NL East nennen: Max Keplers Phillies absolvierten konstant starke Leistungen durch die man schon einen Monat vor dem Ende bei 80 Saisonsiegen stand und die magische 100er-Marke auch in Reichweite lag. Zu der Entscheidung um den ersten Platz gehören aber immer mehrere Teams: Während sich die Braves bekanntlich schon frühzeitig aus jeglichen Playoff-Diskussionen verabschiedeten (sie lagen am Ende sogar hinter den Marlins!) war der andere Faktor das von der Payroll her zweitteuerste Team der gesamten MLB: Die Mets. Wenn wir bei den Tigers schon von einem Absturz sprachen weiß ich gerade gar nicht wie man das jetzt bezeichnen soll. Mit einer 62-44-Bilanz war man zwei Monate vor dem Ende der Regular Season klar auf Playoff-Kurs und ein harter Gegner für die Phillies bis dann aber nichts mehr funktionieren sollte. Übersetzt: Die zusammengerechnete Bilanz für den restlichen Zeitraum lautet 21-35. Was die Fans noch mehr enttäuschte: Trotz dieses Verlaufs gingen die Mets mit Wild Card-Chancen in das letzte Wochenende: Sie schafften es aber tatsächlich zwei Spiele bei den Marlins zu verlieren, das entscheidende Letzte sogar mit einem 0:4-Shutout. Puh. Der Rest der Division hatte wie erwähnt nichts mit den Playoffs zu tun: Während man über die 79 Siege von Miami schon stolpert (niedrigste Payroll der gesamten MLB) war Atlanta die pure Enttäuschung und die Nats jenseits von Gut und Böse unterwegs.
Die NL Central machte dem neutralen Zuschauer schon einiges an Spaß: Da haben wir zum einen die Brewers, die letztendlich mit 97 Siegen mehr Erfolge feierten als alle anderen Teams und entsprechend früh schon für den Oktober planen konnten. Dass sie nicht so früh wie die Kollegen in Philly feiern konnten lag an den Cubs, die mit ihren 92 Siegen nie so ganz weg waren, aber doch unterlegen waren. Wirklich wild und aus neutraler Sicht interessant waren die Reds: Ja, sie agierten über weite Strecken wie das typische 0.500-Team was zu schlecht für die Postseason und zu gut für den Bodensatz war, aber schauen wir doch nur auf Teile des Septembers: 2-1 gegen die Mets, 2-1 bei den Padres, 4-0 gegen die Cubs und 2-1 bei den Brewers - das kann sich doch sehen lassen (und noch mehr, siehe unten im Absatz für die Wild Cards). Die Cards konnten dem Division-Rivalen durch einen entgegengesetzten September (mit einem sehr harten Schedule) nicht folgen, die Pirates hatten ihre Season schon in der ersten Saisonhälfte weggeschmissen.
Und damit fehlt uns nur noch die NL West. Ja, es ist immer das gleiche: Die Dodgers schnappen sich einen Spieler nach dem anderen, lassen ihre Payroll ins Unermessliche steigen und feiern am Ende den ersten Platz. Doch ganz so einfach war es nicht: Das Team musste verletzungsbedingt einige schwierige Phasen durchstehen und sah mit den Padres einen harten Konkurrenten, doch die direkten Duelle sollten am Ende den Unterschied machen: Los Angeles behielt mit einem 9-4 die Oberhand und hatte am Ende drei Siege Vorsprung auf San Diego. Dahinter knackten mit den Giants und den D’backs zwei weitere Teams die Marke von 80 Saisonsiegen und somit ist die NL West die einzige Division mit vier Teams mit mindestens 80 Siegen - das könnte auch der Grund dafür sein, dass beide Teams die Wild Cards knapp verpassten und daher zu schwach waren. Zu schwach trifft auch auf Colorado zu: Die 22 Siege aus der ersten Hälfte konnten die Rockies in Hälfte zwei sogar nochmal unterbieten (21).
Die Wild Cards waren eine weitaus weniger dramatische Geschichte wie in der AL, aber eine große Story gab es eben doch: Die Mets hätten einfach nur ihr letztes Spiel in Miami gewinnen müssen um noch den Strohhalm zu greifen, aber durch die Niederlage krönten die Reds ihren Endspurt: Cincinnati verlor zwar parallel ebenfalls (ein 2:4 bei den Brewers), aber durch die gewonnene Season-Series (4-2, wir erinnern uns kurz, dass es direkte Duelle im September gab?) zog man bei der aufgetretenen Bilanzgleichheit vorbei. Die Cubs und die Padres hatten schon (teils weit davor) die Verfolger abgehängt und konnten für die Playoffs planen.
Das war bis hierhin sehr viel Text, hier nun nochmal in der Tabellenform die Endstände der 2025 Regular Season:
AL East
- Toronto 94-68
- NY Yankees 94-68
- Boston 89-73
- Tampa Bay 77-85
- Baltimore 75-87
AL Central
- Cleveland 88-74
- Detroit 87-75
- Kansas City 82-80
- Minnesota 70-92
- Chicago WS 60-102
AL West
- Seattle 90-72
- Houston 87-75
- Texas 81-81
- Athletics 76-86
- LA Angels 72-90
AL Wild Cards:
#1 NY Yankees 94-68
#2 Boston 89-73
#3 Detroit 87-75
4. Houston 87-75
5. Kansas City 82-80
6. Texas 81-81
NL East
- Philadelphia 96-66
- NY Mets 83-79
- Miami 79-83
- Atlanta 76-86
- Washington 66-96
NL Central
- Milwaukee 97-65
- Chicago Cubs 92-70
- Cincinnati 83-79
- St. Louis 78-84
- Pittsburgh 71-91
NL West
- LA Dodgers 93-69
- San Diego 90-72
- San Francisco 81-81
- Arizona 80-82
- Colorado 43-119
NL Wild Cards:
#1 Chicago Cubs 92-70
#2 San Diego 90-72
#3 Cincinnati 83-79
4. NY Mets 83-79
5. San Francisco 81-81
6. Arizona 80-82
7. Miami 79-83
8. St. Louis 78-84
Und hier für die Statistik-Freunde (und das sind doch Baseball-Fans, oder?
) noch der Blick auf die Stats-Leaders:
Batting-Average: Aaron Judge (NYY) - .331
Homeruns: Cal Raleigh (SEA) - 60
RBIs: Kyle Schwarber (PHI) - 132
Hits: Bobby Witt Jr. (KC) - 184
Stolen Bases: Jose Caballero (TB/NYY) - 49
Pitching Wins: Max Fried (NYY) - 19
ERA: Paul Skenes (PIT) - 1,97
Saves: Carlos Estevez (KC) - 42
K’s: Garrett Crochet (BOS) - 255
Beim Blick auf den Kalender fällt natürlich auf, dass wir schon längst im Oktober sind und daher sind auch schon Playoff-Spiele absolviert worden:
Die Wild Card-Round wird seit einigen Jahren im best-of-three-Modus im Ballpark des besser gesetzten Teams ausgetragen und diesmal ging es sogar dreimal über die volle Distanz:
Die Tigers bekamen nach ihrem Absturz in Cleveland die Möglichkeit zur Rehabilitierung und der Revanche für die verlorene ALDS im Vorjahr: Detroit startete mit einem 2:1-Auswärtssieg, Cleveland antwortete am Tag darauf mit einem 6:1-Heimsieg und im Entscheidungsspiel triumphierte tatsächlich nochmals Detroit mit einem 6:3.
In der Bronx wurde uns das Rivalry-Duell zwischen den Yankees und den Red Sox geboten: Boston ließ das Yankee Stadium mit einem 3:1-Sieg im Opener verstummen, die Yankees erzwangen aber einen Tag später mit einem 4:3 das dritte Duell, das man mit einem 4:0-Shutout klar für sich entschied.
Die Cubs hatten eine schwierige Serie gegen die Padres vor sich, auf die man zuletzt vor 41 Jahren in einer Postseason traf. Die Cubs verbrannten im Opener zwar sechs Pitcher, legten aber mit einem 3:1-Sieg vor, den die Padres am Tag darauf mit einem 3:0-Shutout beantworteten. Chicago durfte am Ende aber mit einem weiteren 3:1-Sieg feiern - es war übrigens der erste Sieg einer Postseason-Series eines Teams aus der NL Central seit sechs Jahren.
Das letzte Postseason-Aufeinandertreffen zwischen den Dodgers und den Reds war auch lange her (1995), aber die Story des Außenseiters ging nicht weiter: Die Dodgers machten mit einem 10:5 und einem 8:4 kurzmöglichst dem Ganzen ein Ende.
Die Division Series wird weiterhin in einem best-of-five-Modus ausgetragen und läuft bis auf einen Fall noch:
Der besagte Fall ist ein weiteres Division-Duell der AL East: Die Offense der Blue Jays konnte in den beiden Heimspielen von den Yankees überhaupt nicht gestoppt werden und somit erspielten sich Toronto mit einem 10:1 und einem 13:7 einen 2-0-Vorsprung. Die Yankees verhinderten in Game 3 vor eigenem Publikum mit einem 9:6 zwar noch mühsam den Sweep, aber Toronto fuhr in Game 4 mit einem 5:2 den entscheidenden Sieg ein und steht damit als erstes Team in der ALCS.
Auf wen Toronto in der ALCS trifft entscheidet sich erst nach dem fünften Duell zwischen den Mariners und den Tigers, die zum ersten Mal überhaupt in den Playoffs aufeinander treffen. Die Tigers starteten mit einem 3:2-Sieg in elf Innings in Seattle, das die Serie mit einem 3:2-Heimsieg im zweiten Spiel nach Detroit schickte. Dort holten sich die Mariners mit einem 8:4 die erstmalige Führung, aber die Tigers erzwangen in Game 4 mit einem 9:3 ein Entscheidungsspiel im T-Mobile Park.
In der NL gibt’s ein internes Duell aus der Central Division, das allerdings erst drei Spiele hinter sich hat: Die Brewers nutzten ihren Heimvorteil und gewannen die Spiele vor eigenem Publikum doch recht klar (9:3, 7:3), aber im ersten Auswärtsspiel wurde man dann von den Cubs mit 4:3 geschlagen. Milwaukee geht also mit einem 2-1-Vorsprung und dem zweiten Matchball ins Game 4 was ebenfalls in Chicago stattfindet.
Das auf dem Papier interessanteste Duell der Runde ist mit Sicherheit das zwischen Max Keplers Phillies und den Dodgers. Auch hier sind erst drei Partien absolviert worden und interessanterweise war das Heimteam durchweg unterlegen: Die Dodgers setzten sich in den ersten beiden Partien in Philly durch (5:3, 4:3), das zuletzt im Dodger Stadium mit einem 8:2 und dem verhinderten Playoff-Aus auf sich aufmerksam machte. Die Dodgers haben mit ihrer 2-1-Führung noch ein weiteres Heimspiel vor sich.
Und damit sind wir in der Gegenwart angekommen. Am heutigen Donnerstag werden die beiden NLDS mit ihrem jeweiligen vierten Spiel fortgesetzt. Können die Dodgers daheim gegen die Phillies und die Brewers auswärts bei den Cubs die Serien erfolgreich beenden oder wird ein fünftes Spiel erzwungen? Sportdigital 1+ überträgt das Aufeinandertreffen zwischen den Dodgers und den Phillies ab 00:08 Uhr live.
Vorschau auf Donnerstag (alle Zeiten MESZ):
00:08 Uhr: #2 Philadelphia Phillies @ #3 Los Angeles Dodgers (NLDS Game 4, 1-2)
Sanchez (PHI) vs Glasnow
03:08 Uhr: #1 Milwaukee Brewers @ #4 Chicago Cubs (NLDS Game 4, 2-1)
Peralta (MIL) vs Boyd (CHC)