Gewissensfragen

Dieses Thema im Forum "Off-Topic" wurde erstellt von Viddek, 18. August 2014.

  1. Raffo

    Raffo Pflaumenbaum

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    Naja, aber dass es für viele nicht um moralisches Handeln geht, ist doch schizophren. Da lügt man sich in die Tasche und sucht sich nur nen Weg um sein Fehlverhalten zu rechtfertigen. Ich kann doch nicht daheim meine Kinder zu artigen Menschen erziehen und im Job meine MitarbeiterInnen ausbeuten, meine Frau betrügen und meine Freunde belügen.
    Der Wesenszug eines Menschen kann es auch nicht sein unmoralisch zu handeln. Jeder weiß allein durch seine Vernunft was moralisch richtig ist und was nicht. Zu sagen, dass man einfach nicht so ist, ist wiederrum eine billige Ausrede und ein Legitimationsversuch sein Fehlverhalten zu rechtfertigen, obwohl man weiß dass es falsch ist und dass man besser handeln könnte. Der Grund warum man es dann nicht macht ist übrigens die Faulheit. Es ist bequemer so zu sein und nicht an sich zu arbeiten um zu einer besseren/moralischeren Gesellschaft beizutragen.
     
  2. Viddek

    Viddek Guest

    Sehe ich doch genauso, du musst bei mir doch nicht ähnlich argumentieren. Aber bei so Fragen wie Asylrecht/Mindestlohn etc. handeln viele eben auch nicht gerade moralisch, oder? Bzw. ihre Meinung ist nicht moralisch. Oder warum gibt es Dumping-Löhne? Würde jeder nach Kant handeln, würde es sowas ja nicht geben.
     
  3. Raffo

    Raffo Pflaumenbaum

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    Ach das ist dein Punkt. Natürlich handeln nicht alle Menschen moralisch. Zwischen dem was man sollte und was man wirklich macht, liegt ein riesiger Unterschied. Ein Problem ist dabei eben auch der Punkt, dass sich viele keiner Schuld bewusst sind. Da werden die wildesten Erklärungen herangezogen um das eigene Fehlverhalten zu begründen. Nur das eigene Handeln zu reflektieren, dass man selbst falsch handelt und es nicht richtig ist, das will sich dann niemand eingestehen.
     
  4. Viddek

    Viddek Guest

    Genau das ist es.

    Die meisten sagen ja auch, dass Ehrlichkeit das Wichtigste für sie ist. Man verlangt vom Gegenüber dabei immer die Ehrlichkeit, ist aber selbst eben nicht immer so ehrlich, was man allerdings dann meist übersieht.
     
    Raffo gefällt das.
  5. S.Men

    S.Men Trainer

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    Vielen Dank, Raffo. Endlich jemand, der meine enorm hohen Qualitäten er"kant" hat. ;)
    Um Entscheidungen zu treffen, versuche ich immer Strukturen und Ebenen zu erkennen. Wenn man die unterste Ebene identifiziert hat, muss man sich nur noch zwischen ja und nein entscheiden.
     
  6. S.Men

    S.Men Trainer

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    SV Werder Bremen
    Habe mich in den letzten Tagen einmal etwas tiefergehend mit Philosophie beschäftigt. Ich persönlich bin seit meiner Kindheit „Amateur-Philosoph“. Das bedeutet, ich beschäftige mich mit genau den Fragestellungen, die schon seit Jahrhunderten oder Jahrtausenden behandelt werden, gleiche das aber nicht mit den bekannten Philosophen ab und kenne auch keine Fachbegriffe. Raffo schrieb ja bereits, dass sich meine Strukturen beispielsweise mit Kant decken. Zu dem Schluss bin ich nun auch gekommen. Allerdings verstehe ich in der Diskussion eine Sache nicht:


    Der Utilitarismus wird von Kritikern als moralisch widerlegt. Warum? Weil sie sagen, es führt bei konsequenter Anwendung zum Mord an Menschen, wenn mehr Menschen dadurch profitieren.


    Ich bin aber der festen Überzeugung, dass diese These völliger Humbug ist. Ich habe bei Bentham (Utilitarismus) nämlich nicht das Gefühl, dass es immer um eine Entscheidung des Jetzt ist. Damit meine ich, dass moralische Entscheidungen natürlich auch mit Bedacht auf die Zukunft getroffen werden müssen. Cogito ergo sum ist der Beweis, dass wir als denkende Wesen existieren. Wir können dann im Anschluss sogar darüber nachdenken, dass wir gedacht haben. Das ist mit Gewissheit so. Wir können sogar unsere Gedanken steuern und jetzt bestimmen, dass wir innerhalb der nächsten Momente in eine bestimmte Richtung denken, so wie ich das gerade tue. Und dann kann ich wieder rückblickend darüber nachdenken, über was ich gedacht habe. Warum diese Überlegung? Weil sie darlegt, dass wir die Vergangenheit kennen, aber nicht verändern können und sie darlegt, dass wir von der Zukunft wissen, die wir gestalten können.


    Wenn wir nun also wissen, dass wir die Zukunft gestalten können, dass sie existieren wird, müssen wir uns damit befassen. Und wir können beim Utilitarismus nicht einfach die Zukunft ausblenden. Wenn wir jemanden umbringen, weil dessen Tod für eine größere Anzahl von Menschen Glück bedeuten würde, bedeutet das in der Zukunft aber auch, dass viele Menschen vor dieser Regierungsform in Angst und Schrecken leben würden. Wir kennen doch solche Zustände und Länder und wie sich die Bevölkerung dort fühlt. Es würde eben kein Glück für die Mehrzahl der Menschen bedeuten, wenn einfach jemand entscheiden könnte, andere Menschen umzubringen.

    Ich finde es auch schwierig, Moral zu definieren und sich dabei auf Glück zu berufen, ohne vorher Glück zu definieren. Es ist auch für mich persönlich kein Glück, wenn für mein vermeintliches Glück vorher jemand sterben musste.


    Meiner Meinung nach ist diese Widerlegungsthese des Utilitarismus‘ ein logisches No Go und kann ihn nicht widerlegen. Für mich ist der Utilitarismus und damit die Überlegungen Benthams eine gute Ergänzung zu Kant. Über weitere Meinungen freue ich mich! :D
     
  7. RWE1907

    RWE1907 Aufsichtsrat

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    Ehrliche Meinung?

    Das Thema ist mehr als langweilig.

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  8. michaelg

    michaelg Lebende Legende

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    14.407
    Was ich dazu weiß, ist das es bei Kant mehr um Pflicht als um Glück ging.
     

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